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Alpen Traverse

Aktualisiert: vor 6 Tagen



Ich habe wandernd die Alpen überquert. Ich habe weder die Pässe noch die Kilometer gezählt. Ich weiss auch nicht genau wie schwer mein Rucksack wirklich war. Ich bin am 14. Juli losgelaufen und am 18. September am Meer angekommen. Ich wollte in den Bergen sein und mich bewegen, draussen schlafen, Blumen sehen, Sonne tanken und Italienisch reden. Im folgenden einige Ausschnitte meiner Erlebnisse.


Tag Eins - Selbstüberlistung

Stansstad, Hauptbahnhof. Ich montierte meine Sonnenbrille und suchte den gelben Pfeil. Nach der ersten halben Stunde hatte ich einen Pfeil verpasst und landete auf der Strasse. Die Lastwagen sausten an mir vorbei und mein Rucksack war elends schwer, ich brauchte einen Kaffee. Die schlaflose Nacht hockte mir auf den Beinen und irgendwie war ich nach dem Umweg über die Hauptstrasse genervt. Da sass ich also und studierte das Wetter für den Abend. Mein Blick fiel auf das gegenüberliegende Haus und meine Stimmung hellte sich auf. Nur wenige verirrten sich an diesem Morgen zum Billettschalter der Stanserhornbahn. Ich kenne meinen sturen Ehrgeiz aus vergangenen Unterfangen. Ich hatte mir in den Vorbereitungen versprochen nichts zu tun worauf ich keine Lust habe und lies es mir offen, nach einer Woche wieder heimzukehren. Um mich nicht gleich am ersten Tag selbst zu betrügen, bezahlte ich also meinen Capuccino und kaufte mir ein Billett für die Bahn.



Tag Sechzehn - Geduld

Wer hat schon mal auf die Sonne gewartet? Ich beobachtete die Wanderung des Schattens, bis sich die Sonne schliesslich auf mir ausbreitete. Leuchtend warm, bis die Zehen wieder aufgewärmt und der taunasse Schlafsack getrocknet war. Das dauert, sage ich euch, selbst mir kam es lange vor. Die ich doch so ewig viel Zeit hatte da oben, nahe am Himmel, wo man meinen würde, dass die Sonne schneller ankäme.




Tag Vierundzwanzig – Ein Gewitter

Ich betrachtete mich im See und freute mich aufs Bad. «Signora!» Ich drehte mich um und entdeckte den Stauseewächter. Seinen Beruf kannte ich, da ich bereits seinen Berufskollegen im Norden begegnet war. Er war irgendwas zwischen vierzig und fünfzig. Hatte volles schwarzes Haar, war gross und strahlte eine ruhige Einsamkeit aus. Die Aufgaben eines «Guardiano» in Italien bestehen aus ganz grundlegenden Dingen wie mir erklärt wurde: Den Wasserstand zu messen, zu kontrollieren ob die Staumauer noch hält und wie Giuliano nun noch ergänzte aufzupassen, dass keine Touristen baden gehen. Ich packte meinen Zmittag aus und er bot mir seinen Tisch an. Ich willigte ein und er brachte mir Wasser und setzte Kaffee auf. Während ich meinen Käse und das Brot aufschnitt, erzählte er vom Alltag und vom Wetter. Heute käme noch «una tempesta» - ein Gewitter, meinte er, um 15.00 Uhr. Und während ich meine Schokolade verputzte bot er mir an bei ihm zu übernachten. Gewitter in den Alpen könnten schon sehr furchteinflössend sein und sein Haus sei gross genug. Es sei unverantwortlich alleine auf dem Berg zu sein. Er brachte mir einen «Genepy» und wir liessen die Gläser klirren. Ich wollte weiter, hatte ich doch auf meinem Radar gesehen, dass um 18.00 ein Gewitter angesagt war und ich noch vorher in der Hütte ankommen wollte. «Buonaserata»


Nacht Einundvierzig – Daheim

Neben mir lag die Stille des grünen Sees. Mein Bauch war wohlig satt vom Linseneintopf und ich war eingepackt in meinem Daheim. In diesen Monaten hatte ich das schöne Gefühl da zu Hause zu sein wo mein Schlafsack lag. «...I`ll be home where ever I go...» so sang es aus meinen Kopfhörern ein ums andere Mal. Ich habe den Hang das gleiche Lied wieder und wieder und wieder zu hören... Den Einen oder Anderen meiner Rundherum -Menschen hat das schon auf die Tanne befördert. (Palmen gibt’s bei uns ums Haus ja nicht.) Es war mystisch als ich ankam auf der Seen Hochebene. Der Nebel lies nur ab und zu wieder einen Blick auf einen Berg oder den grünen See frei. Ich hatte mich an einem der Seen niedergelassen. In der Mitte der Seen waren die Ruinen alter Kasernen. Eigentlich wäre es gruselig gewesen, aber da ich mich schon lange an der italienisch-französischen Grenze bewegte, begegneten mir ständig solche Militäranlagen. Ich hatte mich daran gewöhnt ihre Schönheit zu sehen. Eine geschätzte Stunde später erwachte ich und blickte in einen klaren Sternen Himmel.


Eva für kollektiv vier

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