• kollektiv vier

Einblick in den Fundus

Gestalterische Auszeit von Johanna


Freie und unverplante Zeit vor mir. Frische Luft, Blumen, Berge, Tiere und einen einfachen Alltag im Herz. So fange ich an zu gestalten. An einem Pult in einem Zimmer mit Ausblick auf Reben, Bäume und Kirchturm. Die Geräuschkulisse, der Verkehrslärm erinnern mich daran, dass ich wieder in der Stadt bin.



Ich geniesse die Tage, die langen und gemütlichen Morgen in der WG. Zeit für Gespräche, einander zuhören und teilen. Das Sauerteigbrot gedeiht und die Gespräche am Abendtisch werden utopischer, drehen sich um die Zukunft und unsere Möglichkeiten diese zu gestalten. Wie schön es ist, merke ich, mit verschiedenen Menschen zu wohnen, den Alltag zu teilen, Wände farbig zu streichen und Gedanken gemeinsam zu spinnen.



Zwischen den gemeinsamen Momenten, schätze ich die Ruhe in meinem grosszügigen Zimmer. Ich bestelle grosse Radiergummis, schneide mit dem Japanmesser Formen daraus und stemple sie auf Papier. Es entstehen rhythmische Bilder. Bald piepsen die Erinnerungen an die wilden Blumen und Kräuter aus den Bergen in meinem Kopf und die Stempel werden zu Pflanzen und Vögeln. Farbig gemustertes Glas, über das ich zufällig stosse, fasziniert mich. Ich möchte ein Mobile daraus machen. Glas lässt sich einfach brechen und sogar ein Loch lässt sich bohren. Solche Entdeckungen inspirieren mich. Das Mobile ist noch nicht ganz so, wie ich es haben möchte. Aber die Musterungen im Glas treiben mich weiter. Es sind zufällige Muster und sie erinnern mich unter anderem an die Marmoriertechnik. Ich probiere eine einfache Form von Marmorieren aus. Etwas arrangieren und der Zufall ist Teil davon - das gefällt mir! Das Überraschungsmoment finde ich auch im Material Knete. Verschiedene Farben füge ich zusammen, walle sie flach aus und finde kleine Farbbilder vor mir. Zwischendurch lächelt mich der Pinsel an und ich male oder zeichne. Auf einem Ausflug in die Papeterie, entdecke ich Metallpapier. Da nehme ich die Mobile-Idee wieder auf, schneide und präge das Metall zu Formen und hänge sie aneinander. Genauso hängen sich meine Ideen aneinander und sie drehen sich im Wind. Vom Einen ins Andere lasse ich mich in dieser Zeit treiben und schöpfe einen kleinen Fundus an Zeichnungen und Objekten.



Die Zeit fliesst, manchmal sehr produktiv, andere Male tauchen viele Fragen auf und ich weiss nicht so recht wie weiter. In solchen Momenten der Orientierungslosigkeit springe ich in den See, trinke einen Tee in der Küche oder mache einen Spaziergang und pflücke mir dabei einen Blumenstrauss. Schön ist es, selbständig und nach Lust und Laune arbeiten zu können! Aber nicht immer nur einfach, so tief sitzt die Moral. Sie flüstert mir zu: Wo liegt der Sinn in deinem Tun?, bist du tüchtig genug? Führt dich dein Treiben an ein Ziel?.. doch nichts desto trotz, etwas in mir glaubt daran, dass es eine grosse Bereicherung ist, ab und zu die Strukturen zu durchbrechen und kräftig durchzulüften.



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