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Gute Nacht Geschichte - Vola

Aktualisiert: 14. Juli

Die neue Fixleintuch-Serie von kollektiv vier erzählt vom Sommer und bringt ihn zu dir ins Schlafzimmer. Zu jedem Fixleintuch bekommst du eine Gute Nacht Geschichte mitgeliefert. In diesem Beitrag erzählen wir dir die Geschichte zu VOLA.



"Ich schwebe lautlos und lasse mich treiben. Es ist schön und ganz einfach, mit dem Wind zu ziehen. Ich weiss, dass die Menschen, die uns einen Blick zuwerfen, manchmal gerne mit uns tauschen würden… wunderbar ruhig ist es hier oben. Ich breite mich aus und werde ganz dünn. So dünn, dass ich mich an einer Stelle teile. Nun bin ich zwei. Ein Teil von mir bläst sich auf, wird rund und gross. Der Andere bleibt flach. Aus der Fläche wachsen langsam Beine. Sie schnellen heraus, verfangen sich, purzeln und schauen in alle Richtungen. Mein runder Teil beobachtet von Weitem die purzelnden Formen. Ich nähere mich ihnen und wir verschmelzen wieder zu einer hügeligen, weichen Landschaft.




Ich lasse mich treiben. Die Sonne wärmt mich aus dem Osten, scheint durch mich hindurch und ich sehe andere Wolken. Wir ziehen aneinander vorbei, grüssen uns und eine Wolkenfreundin schwärmt von der Weite des Meeres. Tiefblau soll es sein und unglaubliche Wesen würden da wohnen, erzählt sie. Sie riecht salzig und sieht entspannt aus. Sie erzählt, dass sie gemeinsam mit den Zugvögeln in den Norden ziehe. Ich verabschiede mich, gleite unter ihr durch und sinke tief hinab. Eine grosser alter Nussbaum streckt sich unter mir in die Höhe. Seine Blätter spriessen bereits saftig grün. Er leuchtet so sehr, dass sich auch mein weicher Körper grün verfärbt. Zwischen den Ästen hindurch sehe ich eine Person auf dem Boden liegen. Ich strecke mich aus und lege einen Hauch Frische über sie. Auf einmal fliegt ein Vogel durch mich hindurch und ich muss niessen. Ein bisschen erschrocken über die spontane Durchquerung, steige ich wieder höher in den Himmel. Ich sonne mich, lasse mich treiben, drehe mich um mich selbst und nehme verschiedene Formen an, bis ich farbig leuchte. Meine liebste Tageszeit beginnt: Strahlend und warm fühle ich mich. Die Menschen draussen, drehen sich in meine Richtung. Die Vögel tanzen um mich herum, wenn ich zuerst goldgelb dann lachsfarben und schliesslich rosarot leuchte. Wie Zauberei kommen mir diese Abendmomente vor, bevor sich die Dunkelheit über die Welt legt. Dann nämlich kann ich unbemerkt und in geheimer Mission über die Dächer schweben. Wenn den Menschen die Träume aus den Ohren wachsen und in Wort- und Bildwolken bei mir landen. Dann bin ich besonders glücklich. Ich höre leise zu und sehe mir die Traumgeschichten an. Sie bringen mich zum Lachen und Weinen und manchmal komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch mein Wesen ist flüchtig, lange kann ich nicht an einem Ort bleiben. Froh über die kurze Pause und aufgetankt mit spannenden Traumgeschichten, ziehe ich weiter."



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